„Drive“


 

Der namenlose Held in „Drive“ – fantastisch gespielt von Ryan Gosling – erinnert an vergangene und auch glorreichere Zeiten des Kinos. Er erinnert an die großen Helden des Italowesterns, die kommen und gingen, man wusste nicht wer sie waren und woher sie kamen und wohin sie gingen.

DRV-12153.NEF
©Universum Film

Er braucht nicht durch und durch psychologisiert werden, er braucht nicht unbedingt eine Background Story, aber das Fehlen eben dieser, darf auch nicht als fehlende Charaktertiefe interpretiert werden.

Denn diese ist sehr wohl vorhanden. Driver ist ein Charakter gefangen in seiner Umwelt. Einer Umwelt, aus der er ausbrechen will, aber nicht ausbrechen kann. Er sieht die einzige Chance sein Leben zu ändern in Irene und Benicio. Er ist wie ein kleiner verliebter Junge, der alles tut um seinem Schwarm zu gefallen. Doch mit der Rückkehr von Standard ist wieder alles zerstört und verzweifelt klammert er sich an das, was noch übrig ist und in seinem verzweifelten letzten Versuch, als das was er liebt bedroht ist, dieses zu retten, stürzt er in die Dunkelheit ab.

„Drive“ ist vor allem ein Film, der durch seine Schauspieler lebt, die das grandiose Drehbuch tragen und perfekt umsetzen. Ryan Gosling – wie bereits erwähnt – ist einfach nur spitze in der Rolle des Drivers. Es ist sein Film. Er bestimmt ihn in vollkommener Form. Seine Präsens ist atemberaubend und eine der besten Performances der letzten Jahre. Doch auch die Nebenrollen sind absolut hochkarätig besetzt. Albert Brooks gibt als Bernie Ross DEN vorzeige Bösewicht der letzten Jahre, in dessen Schatte immer noch Ron Perlman steht, den ich als Schauspieler so wahnsinnig gerne sehe, dessen Stern aber schon all zu lange versunken zu sein scheint, obgleich er doch ein guter Schauspieler ist. Zu guter letzt sollte man nicht die zauberhafte Carey Mulligan vergessen, die als Irene eine wirklich fabelhafte Performance abliefert und die beinahe schon eine der wichtigsten Personen des Films ist. In ihr ist der Halt den Driver sucht zu jeder Zeit bemerkbar. Sie ist verletzlich, aber auch stark und dennoch im Strudel der Geschehnisse verloren.

Letzten Endes ist „Drive“ sicher der beste Film der letzten Jahre. Ryan Gosling und Nicolas Winding Refn sind ja ohnehin ein Traumpaar und ich hoffe von denen in nächster Zeit noch viel zu sehen. „Drive“ erzählt eine alte Geschichte von Liebe und Selbsthass auf eine vollkommen eigene Art neu. Jede Szene im Film ist bis in die letzten Winkel perfekt durchkomponiert und die Bildersprache des Films stellt den ganzen Blockbusterbullshit der letzten Jahre sowieso in den Schatten.

„My hands are a little dirty.“
„So are mine.“


Creative Commons Lizenzvertrag
Die „Drive“ Kritik von Tim Erkert ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.

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