„Casino“


Nach dem fantastischen „Goodfellas“ hat Großmeister Martin Scorsese noch nicht genug vom Gangstergenre und widmet sich einer wie ich finde noch größeren und monumentaleren Gangstergeschichte. Diesmal vor der Kulisse des schimmern Las Vegas.

casino
©Universal

Es ist eine Welt in der jeder sein Glück versuchen kann, doch steckt hier eine ganz andere Macht noch mit im Spiel. Es sind die Gangster und Mafiosi die bei jedem Pfennig der Umgesetzt wird noch einmal die Hand aufhalten und dankbar ihren Obolus einstreichen.
Das ist das Reich von Ace Rothstein. Er zieht die Fäden, leitet und manipuliert jedes Pokerspiel und jede Black-Jack-Partie. Gespielt von Robert De Niro erschaffen Scorsese und Pileggi einen fabelhaften Charakter, der den ganzen Film über wunderbar real wirkt. Die Charakterentwicklung jenes jüdischen Casinobetreibers der seine Kunden so schamlos ausnimmt ist absolut glaubwürdig und durch die wirklich absolut hammermäßige Schauspielleistung von De Niro. Doch auch im Drehbuch erleben wir hier einen absolut genialen Erzählkniff: Das doppelte Voice-over von De Niro und Pesci ermöglicht es uns die Sichtweise der genialen Geschichte aus zwei verschiedenen Blickwinkeln zu verfolgen und beide Charaktere aus der Sichtweise ihres Gegenübers aufzubauen.
Scorsese erzählt aber nicht nur eine epochale Geschichte über Gangstertum, sondern kritisiert auch das System. Macht korrumpiert. Nicht nur Casinobetreiber, sondern auch Politiker, die zwar gerne ihre Moneten verwürfeln, aber dennoch in der Öffentlichkeit den Saubermann spielen. Doch dieses korrupte System übernimmt dann auch die Welt des Sam Rothstein und er wird ins Exil gedrängt.

Doch noch etwas muss der Zuschauer an Scorsese erdrückendem Realismus erkennen, eine Botschaft, die man sonst eher aus zweitklassigen Kinderfilmen kennt, hier jedoch perfekt für ein an den schmutzigen Geschichten der Hinterzimmer der Casinos interessierten Zuschauer aufbereitet: Liebe ist nicht käuflich. So sehr Rothstein seine Angebetete Ginger lieben mag, so viel Geld, Klamotten und Schmuck er ihr auch in den Rachen stopft, sie wird ihn nicht lieben.Mit „Casino“ übertrumpft Scorsese „Goodfellas“ noch einmal bei weitem. Geniale musikalische Untermalung, eine spitzenmäßige Kamera sowie die grandiosen schauspielerischen Leistungen, die uns unser Hauptdarsteller Dreiergespann hier liefert, auf der Grundlage des fantastischen Drehbuchs machen Scorsese düsteres und realistisches Portrait der großen Stadt des Glückspiels mitten in der Wüste von Nevada, das Reich von Gangstern und korrupten Politikern, zu einem einmaligen Gangsterfilmerlebeniss, welches trotz der enorm langen Laufzeit von rund drei Stunden nicht in einer Sekunde an Dampf oder Unterhaltungswert einbüßt.Listen to me very carefully. There are three ways of doing things around here: the right way, the wrong way, and the way that *I* do it. You understand?


Bilder: moviepilot.de, jpc.de

Creative Commons Lizenzvertrag
Die „Casino“ Kritik von Tim Erkert ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.

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