„Fack ju Göhte“


Jeder kennt das typische Bild deutscher Komödien! Zum Beginn mehr oder weniger gelungene Späße, doch zum Schluss erfolgt ein totaler Sinneswechsel in eine von kitsch getränkte Zuckerwelt.

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©Constantin Film

Um zumindest diesen Kritikpunkt gleich vorweg zu nehmen, schafft es auch Fack ju Göhte nicht, auf seiner kompletten Laufzeit von knapp 2 Stunden nicht, die Grube des Kitsches zu überspringen.

Doch auf Fack ju Göhte muss man sich einfach einlassen! Um diesen klamaukhaften Mix aus „Dangerous Minds“ und „Der Diamanten Cop“ amüsant zu finden, sollte man sein Hirn ausschalten und zumindest für 2 Stunden mal sein komplettes Grammatikverständnis und Vokabular vergessen. Schafft man das nicht, so sollte man einen sehr großen Bogen machen!

Die Skurillität zeigt sich sofort in den überspitzen und maßlos übertriebenen Figuren, wo die deutschen Schüler auf die deutsche Sprache scheißen, den Lehrern die Lust vergangen ist zu unterrichten und die Prostituierten anfangen, junge Mädchen zu schminken! Absolut überzeugend werden diese Figuren gespielt, wobei besonders Katja Riemann, bei der ich niemals gedacht hätte, dass ich sowas mal schreiben werde, am abgedrehtesten ist! Der von ihr dargestellte Zynismus funktioniert ausgezeichnet.

Auch das Tempo ist flott und bieten erstaunlich wenig Durststrecken! Zwischen der Übermodernisierung der Dialograffinesse Shakespeare´s, Exkursionen zu einer Familie mit Rotlichthintergrund und der Achtlosigkeit zwischen Schülern und Lehrern, gibt es nur einzelne Momente, die überflüssig erscheinen! Ansonsten gibts zwar keinen eigenkomponierten dafür wohl ausgewählten Pop-Soundtrack und ein Witz nach dem Nächsten! Erstaunlich für eine Komödie ist es umso mehr, wenn fast jeder Witz zündet, sei es nun Situationskomik, Wortgefechte oder einfach nur doofe Sprüche. Diese Symbiose funktioniert hier, ist an einigen Stellen sowas von derb und niveaulos, dass es schon fast weh tut!

Aber auch in diesem deutschen Film rutscht man wieder in den letzten 15 Minuten in eine Romanze ab! Hier ist das besonders ärgerlich, da besonders mit diesem Aspekt ordentlich Wind aus den Segeln genommen wird, worauf sich Fack ju Göhte zum Schluss nur noch wie ein Kaugummi zieht! Schade, ein ganz rundes Erlebnis ist Fack ju Göhte dann leider doch nicht geworden.

Fack ju Göhte ist ein Film, der für die jugendliche Zielgruppe gemacht ist, was man auch an Sidekicks wie Farid Bang bemerkt! Die Fokussierung des Witzes ist für Bürger mit hohem Kulturdrang äußerst niveaulos, jedoch entgeht diesen Fanatisten damit wohl einer der amüsantesten deutschen Filme der letzten Zeit! Bis (fast) zum Schluss ist der Film gut inszeniert, wunderbar übertrieben gespielt und absolut witzig! Ich habe mich köstlich amüsiert!



Creative Commons Lizenzvertrag
Die „Fack ju Göhte“ Kritik von Sean Theumer ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.

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