„Vampire Nation“


Spätestens seit Twilight gelten Vampire nur noch als in der Sonne glitzernde, mädchenanziehende Totlebende, deren Erdleben durch Beziehungen zu menschlichen Individuen getränkt ist. Der Zeitpunkt ist gekommen, um die Blutsauger endlich als das darzustellen, was sie sind. Kalte, herzlose und blutgierige Killer. Diese wunderbare altmodische Präsenz darf man in Vampire Nation bewundern.

©Splendid
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Für seine klassische Bezeichnung als Independentfilm setzt Vampire Nation tatsächlich Maßstäbe. Die Kulisse der postapokalyptischen Welt schafft es, die Stimmung der Hilflosigkeit auszudrücken und in puncto Design gab man sich ebenso Mühe! Der Gegenpol der Gutmenschen besteht keinesfalls nur aus Vampiren! Die größte Gefahr reflektiert sich in den aus der Apokalypse entstandenen Sekten, die der Meinung sind, dass Menschenopfer zu bringen wahrlich lukrativer ist, als sie zu retten.

Ebenso überzeugt die abwechslungsreiche Mixtur von wahrlich animalischen Vampirattacken, Roadmovieinszenierung und  viel Poesie. Erstaunlich viel Zeit nimmt man sich im Film, um den Hauptprotagonisten eine Hintergrundgeschichte zu verschaffen und sie tatsächlich zu identifizieren. Zwischen den Attacken sorgen besonders ruhige Momente für Gansehaut und regen zum nachdenken an, um jedoch kurze Zeit spät von wahrlichen Gewalteruptionen übersteigert zu werden.


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Denn gleich zu Beginn stellt der Film klar, dass Vampire keinesfalls zum schmusen gedacht sind, wenn bei einem Familienmord nicht mal vor kleinen Kindern halt gemacht wird. Die im Film gezeigte Konsequenz verlischt nicht nach gewisser Zeit, sondern stellt sich kontinuierlich behutsam in den Hintergrund. Das sorgt für eine unheimliche Atmosphäre und hohem Spannungsanteil. Optimismus herrscht in diesem „Stake Land“ nicht. Doch auch wenn ich zugleich viel lobe, stecken eine Menge Fehler in diesem Machwerk. Für eine Gesamtlauflänge von knapp 95 Minuten, gibt es genug Momente, in denen der Film weder Fleisch noch Fisch ist, sprich eigentlich kann er sich nicht so recht entscheiden, ob er nun Endzeitthriller, Vampirhorror oder Gesellschaftsstudie ist. Da können die Schauspieler noch so solide agieren, ein fader Beigeschmack bleibt trotzdem.

Wer bei dem DVD-Cover denkt, es handele sich um eine Abschlachtplatte liegt falsch. Vampire Nation ist ein grundsolider überzeugender Vampirfilm, fernab des Funkelkitsches und für Low-Budget Maßstäbe eine wahre Offenbarung. Zwar wirkt das Gesamte geschehen nicht voll und ganz überzeugend, dafür sorgen ein gut agierendes Darstellerduo, knallharte Vampirmeucheleien und kontinuierliche Spannung für ein wahres Fest für Vampirfreunde und auch der normale Filmfreund wird erstaunt, wie viel Potenzial in diesem Genremix eigentlich steckt.


6/10


Bilder: moviepilot.de, splendid.com

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