„Der Pate“


Der Familiensaga erster Akt. Mögliche Spoiler.

Don Vito Corleone ist und bleibt der Mafiaboss. Der größte Gangster aller Zeiten, der je auf einer Leinwand zu sehen war. Porträtiert in erster Linie von Marlon Brando, eine schauspielerische Urgewalt. Mit gerade einmal 48 Jahren schaffte er es einen alten gebrechlichen, doch immer noch bedrohlich aber auch väterlich wirkenden Mann darzustellen. Er ist ein Mann, der auf sein Vermächtnis schaut. Einer seiner Söhne, der älteste, ist stur wie ein Esel, unüberlegt in seinen Taten – nicht dumm, nur unüberlegt.

Sein zweiter Sohn ist ein Dummkopf und ein Narr. Sein dritter will geht zur Armee um Abstand zu gewinnen. Er ist mächtig, doch die Instabilität im Inneren wird von außen weiter vergrößert. Vito hält an den alten Traditionen fest, wirkt auf seine Kollegen zu altmodisch, und doch beneiden sie ihn um das was er hat. Sie wollen ihn aus dem Weg räumen, doch Don Vito lässt sich nicht unterkriegen. Er überlebt den Anschlag knapp und so entschließt sich sein jüngster Sohn Michael dazu einzugreifen und sich seiner Familie anzupassen.
„Der Pate“ ist ein Film der Superlative. Eine Handlung der Superlative. Schauspieler der Superlative. Filmmusik der Superlative. In erstere Linie ist es Marlon Brando, der als Pate Vito Corleone (wie sehr ich doch diesen Namen liebe) eine der überzeugendsten und besten Schauspielleistungen abliefert, die ich je gesehen habe. Vielleicht ist es genau diese Leistung, die den anderen beiden Filmen zusetzt, weshalb die anderen beiden Filme, bei mir nicht die gleiche Wirkung entfalten wie der erste.

Den anderen Teilen fehlt diese Schauspielmacht von Brando. Ihnen fehlt dieses Alphamännchen. Brando ist als Pate so unfassbar überzeugend, dass man durch den Bildschirm diese Aura spürt. Man kann beinahe sein Duftwasser riechen. Man meint das Geräusch des Kratzens über die Wange zu hören. Alles an ihm fesselt so ungemein.

Doch auch der restliche Cast überzeugt. James Caan spielt sich um Kopf und Kragen. Er brilliert voll und ganz als Sonny, doch von seinem alten Herrn wird er immer an die Wand gespielt. Robert Duvall, einer meiner absoluten Lieblingsschauspieler, ist nicht minder genial als Tom Hagen, der wie ich finde, die zweit beste Performance im Ensemble abliefert, da mir seine ruhige Art zu spielen sehr stark zusagt. Doch natürlich darf man auch den guten Al nicht vergessen, der besonders in den Szenen auf Sizilien überzeugt.

Das großartige an diesem Film, und das schafft meiner Meinung nach Teil 1 einfach am besten ist, dass er neben der Entwicklung seiner Charaktere auch noch diese großartige Mafiaatmosphäre nie verliert, was bei seinen Nachfolgern immer wieder passiert ist. Immer hat man das Gefühl vor Ort zu sein und besonders am Ende meint man vollkommen in dieser Welt gefangen zu sein.

Was die Charaktere angeht – hier ein großes Lob an das Drehbuch – wir haben zum einen Vito, der weiß, dass sein Lebensabend gekommen ist und auf sein Vermächtnis blickt und erkennt und einfach nicht vollkommen weiß wie er damit umgehen kann. Er will sich sicher im Schoß der Familie wissen und Abstand gewinnen und legt in logischer Konsequenz sein „Amt“ als Padrino nieder. Er erkennt, dass er gescheitert ist. Sein Sohn Fredo ist ihm entwachsen. Sein Sohn Sonny wird von den Feinden erschossen. Seine letzten Hoffnungen muss er in Michael stecken, den Sprössling, der eigentlich fernab von dem sein sollte, er soll die Familie retten. Er tritt sein Erbe an, und doch soll er nicht so sein wie sein Vater, doch genau diese Metamorphose durchlebt er schließlich. Er sammelt alle Kräfte, die dem schwindenden Familienimperium geblieben sind für einen letzten Schlag gegen seine Gegner. Er tut das wofür sein Vater… zu schwach war?

„Der Pate“ verdient seinen Stellenwert als einer der besten Filme aller Zeiten. Ein Klassiker und ein Kultfilm sondergleichen. Es handelt sich um ein tiefgründiges Meisterwerk, mit einer traumhaften Filmmusik, die ihre Wirkung im Film zu einer donnernden Himmelsarie der Unterwelt entfaltet. Zum Takt des Schicksals bewegen sich großartige, nein, exzellent, nein, gottgleiche Schauspieler (Marlon Brando mit der BESTEN Schauspielerischen Leistung aller Zeiten – zumindest derer die ich bisher sehen durfte, wohlgemerkt!). Die Inszenierung von Francis Ford Coppola lässt absolut keine Wünsche offen und wie viele andere schon sagten: „Der Pate“ ist filmische Perfektion. In jeder Hinsicht.

Der Familiensaga PERFEKTER erster Akt.


10


 

Bilder: moviepilot.de

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